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Universum-Chef Kluch in Haft – Das endgültige Aus für den ehemaligen Universum-Boxstall ?

Universum-Box-PromotionDie Nachrichten der letzten Tage lassen auf nichts Gutes für die Reste des einst traditionsreichen und international angesehenen Haus „Universum – Boxpromotion“ schließen. Seit dem Ende der Zusammenarbeit zwischen dem Vorbesitzer Klaus-Peter Kohl und dem ZDF, dem Verkauf an den Deutsch-Kasachen Waldemar Kluch und dessen undurchsichtigem Geschäftsgebaren ging es trotz einiger weniger Veranstaltungen und immer wieder neuen Beteuerungen stetig bergab. Kluch hatte das Unternehmen vom Kohl kaufen wollen und es wurde eine Kaufsumme von 1,5 Mio € vereinbart. Die Summe wurde allerdings nicht vollständig beglichen. Ob und wie hoch das Unternehmen damals schon verschuldet und dieser Kaufpreis gerechtfertigt war, lässt sich nur schwer nachvollziehen. Wie damals verlautete, habe man eigentlich nur das Unternehmen, also den Namen „Universum“ verkauft. Zuvor hatte Kohl bereits sämtlichen Universum-Angestellten gekündigt und die alte Trainingshalle in Wandsbek aufgegeben um alle laufenden Kosten zu stoppen. Kohl selbst blieb als Berater nur lose mit seinem Ex-Boximperium verbunden. Völlig undurchsichtig war damals auch, ob die unter Vertrag stehenden Boxer und damit das eigentliche „Kapital“ von Universum noch an ihn persönlich oder das Unternehmen Universum gebunden waren. Als der Name Waldemar Kluch zum ersten mal in diesem Zusammenhang in den Medien auftauchte, war von gewaltigen Investitionen die Rede, die er tätigen wolle und man konnte tatsächlich glauben, dass es nun mir neuem Kapital steil aufwärts gehen würde. Doch von Alledem erfüllte sich nichts. Bis auf ein paar kleinere Veranstaltungen um seine Boxer in Bewegung und den Ranglisten zu halten geschah eigentlich nichts bewegendes. Im Gegenteil: Boxern wurden ihre Börsen vorenthalten und wer auch immer eine Gelegenheit fand, dass sinkende Schiff zu verlassen, nutzte die auch. Bis jetzt noch verbliebene Boxer warten ab, was jetzt geschieht, bzw. beschäftigen bereits Gerichte um aus diesen Verträgen heraus zu kommen.

Waldemar Kluch

Waldemar Kluch

Vor einigen Wochen wurde verkündet, dass Kluch und Kohl sich nun endlich außergerichtlich geeinigt hätten und die anstehende Versteigerung des DIMA-Sportcenters damit abgewendet wurde. Ob diese Einigung freiwillig zustande gekommen und ob tatsächlich alles erledigt ist – daran kann man jetzt zweifeln. Offenbar hat Waldemar Kluch erhebliche Druck auf Klaus-Peter Kohl ausgeübt. Laut einem Bericht der „Bergedorfer Zeitung“ soll es erpresserische Anrufe mit Gewaltandrohung von Kluch an Kohl gegeben haben. Besonders „helle“: Auch per SMS wurde gedroht. Alles über eine russische SIM-Card. Das entsprechende Telefon mit SIM-Card wurden bei einer Hausdurchsuchung in Kluchs Schlafzimmer sichergestellt. Scheinbar war sich Herr Kluch sicher, trickreich gehandelt zu haben. Kluch wurde vom Landeskriminalamt eindeutig als der Absender der SMS ausgemacht. Damit ist zumindest der Tatbestand der räuberischen Erpressung erwiesen. Aber das ist nicht das einzige, was man Kluch zur Last legt. Offenbar steckt er auch als Auftraggeber hinter einem tätlichen Angriff auf einen Freund und Berater von Denis Boytsov, Gagik Kachatryan. Der Ex-Boxer betreibt inzwischen ein Schuhhandelsgeschäft und kümmert sich ein wenig um Boytsovs Steuerangelegenheiten. Offenbar hat es Kluch besonders auf die Palme getrieben, dass Boytsov sich vor Gericht das Recht erstritten hatte, seinem Beruf nachzugehen und bei einer Veranstaltung zu boxen, ohne dabei an Universum gebunden zu sein. Bei diesem Kampf im Februar half Gagik Kachatryan bei der Organisation, was ihm vor einigen Wochen offenbar zum Verhängnis wurde. Er wurde von 2 Osteuropäern überfallen und mit Schlägen auf den Kopf verletzt. Nach seinen Angaben wurde er von Angreifern mit einem mit Stoff umwickelten Baseballschläger drangsaliert, was zu erheblichen Platzwunden am Kopf führte. Im Zusammenhang mit der Festnahme von Kluch wird auch in dieser Angelegenheit ermittelt. Darüber hinaus wurden einige Wohnungen und das DIMA-Sportcenter nach weiteren Beweisen durchsucht. In 2 Anwaltskanzleien wurden Papiere und Dokumente freiwillig heraus gegeben, wodurch sich eine Durchsuchung erübrigte.

Will aus seinem Vertrag raus: Denis Boytsov

Will aus seinem Vertrag raus: Denis Boytsov

Für das Boxunternehem „Universum“ und seine Nachfolgefirmen kann das alles unterm Strich nur das völlige „Aus“ bedeuten. Bereit im Sommer letzten Jahres wurde sowohl von einigen Gläubigern, als auch von Kluch selbst für „Universum“ ein Insolvenzantrag gestellt. Kluch sprach damals davon, dass bis dahin unbekannte Verbindlichkeiten in Höhe von 1,5 Mio € aufgetaucht seien. Ob das ein Zufall ist oder nicht – diese Summe entspricht ungefähr dem Betrag, den Kluch Kohl noch schuldete. Nach inoffiziellen Angaben belaufen sich die Schulden des insolventen Unternehmens inzwischen aber auf etwa 4 Mio €. Wesentliche Einzelposten sind dabei: Schadensersatzforderung von Denis Boytsov: ca. 500 000 €, Sebastian Zbik, ausstehende Kampfbörse, ca. 200 000 €, Karoly Balzsay, aussehende Kampfbörse ca. 175 000 €, Firat Arslan, ausstehende Kampfbörse ca. 160 000 €, Dimitri Sartison, ausstehende Kampfbörse ca. 125 000 €, Ruslan Chagaev, ausstehende Kampfbörse ca. 90 000 €, Ina Menzer, aussehende Kampfbörse, ca. 25 000 €, Trainer Michael Timm ca. 60 000 € aus Trainertätigkeit, EC – Boxpromotion, ca. 110 000 €, aus Beteiligungen. Wie man diese Summen jemals begleichen will, bleibt im Dunkeln. Besonders seltsam ist, dass beispielsweise im Fall von Sebastian Zbik die Kampfbörse von Sturm Promotion an Universum für den Kampf Sturm vs Zbik vertragsgerecht gezahlt aber höchstwarscheinlich zweckentfremdet genutzt wurde. Es kann auch gut sein, dass die Summe schlichtweg auf ein Universum-Konto gezahlt wurde, dass in tiefroten Zahlen stand und das Geld nun auf “Nimmerwiedersehen” verschwunden ist.

Was bei dieser ganzen Geschichte am undurchsichtigsten zu sein scheint ist die Tatsache, wie hier mit den Boxern umgegangen wird. Es scheint fast so zu sein, dass hier die ursprünglichen Verträge zwischen den Boxern und Universum/Kohl einfach an nachfolgende Firmen weiter gereicht wurden. Ob das überhaupt rechtes ist, wird sicher noch die Gerichte beschäftigen. Wie im Fall von Denis Boytsov zu sehen ist, kam das Landgericht Hamburg zu dem Schluss, dass er seinen Beruf auch ohne „Universum“ ausüben darf. Offenbar war Waldemar Kluch der Meinung, die Verträge der Boxer könne er nach eigenem Belieben an seine Universum-Nachfolgefirmen, wie die „Nord-Ostseebetriebs GmbH“, die „World International Sport Promotion“ oder gar die „Felix Kluch Boxing“ weiter reichen und die ursprünglich an Universum/Kohl vertraglich gebundenen Boxer seien zu behandeln wie eine Handelsware oder krasser ausgedrückt: Wie Leibeigene über die man wie abhängige Arbeitssklaven nach Gutsherrenart herrschen kann, obendrein noch ohne sie zu bezahlen. Es ist kaum anzunehmen, dass man nach diesen letzten Ereignissen damit rechnen kann, dass dieses „Universum“ noch zu retten wäre. Um es deutlich zu sagen „Universum-Boxpromotion“ wurde von Klaus-Peter Kohl zum Erfolg und bis kurz vor den finanziellen Ruin getrieben. Anschließend wurde es von Kluch übernommen und mit kriminellen Methoden endgültig vor die Wand gefahren. Es ist das „Aus“ für das einst ruhmreiche Unternehmen „Universum“ und nur noch eine Frage der Zeit, bis die rechtliche Aufarbeitung abgeschlossen ist. Bleibt nur zu Hoffen, dass die zuständigen Gerichte möglichst schnell Recht sprechen um den eigentlich Leidtragenden, den Boxern, ihre vollständige Freiheit wieder zu geben.

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