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Rüdiger May geht mit „MayBoxing“ andere Wege

Text und Bilder: Wolfgang Wycisk

„Angefangen vom Schwimmen über das Tauchen bis hin zu den verschiedensten Großveranstaltungen – am Fühlinger See ist fast alles möglich.“ So beschreibt die Rheinmetropole Köln ihre nördlichste Sport- und Erholungsanlage. Der Fühlinger See ist aber auch eine feine Adresse für Sportenthusiasten, die es etwas heftiger lieben.

Die Oranjehoffstrasse verläuft parallel zur berühmten Regattabahn am Fühlinger See. Fährt man sie bis zum Ende durch und hält sich dann auf dem Parkplatz links, dann steht man vor dem „MayLife“, einem Box-Gym der ganz anderen Art.

Namensgeber ist die Familie May. Die Mays, das sind Vater Ulrich sowie seine Söhne Rüdiger und Torsten. Rüdiger und Torsten blicken auf eine erfolgreiche Amateur und Profikarriere zurück. Torsten wurde 1991 Amateur-Weltmeister und Olympiasieger 1992 in Barcelona. Wenn jemand etwas vom Boxen versteht, dann ist es Familie May.

Ihre Trainings-Philosophie ist erfrischend anders. Für sie ist Boxen kein Mitmachsport. Für sie ist Boxen ein Erlebnissport, den man „Live“ fühlen muss.

Das merkt man, wenn man einmal beim Training zuschaut. Der Enthusiasmus der Mays ist unbeschreiblich. Scheinbar springt dieser Funke auf die „MayLifer“ über, denn anspornen braucht man sie nicht. Sie motivieren sich selbst zu immer höheren Leistungen. Glänzende Augen und glückliche Gesichter inklusive.

Bis zu viermal täglich, sechs Tage die Woche stehen die Mays auf der Trainingsfläche, oftmals parallel. Ein geschicktes Raumkonzept macht es möglich.

Jetzt kommt zum MayLife das MayBoxing hinzu. Mit diesem Projekt wird sich Rüdiger wieder dem Profisport nähern. Auch hier liegt die May-Philosophie abseits des Mainstreams. „Was nützt es einem Weltmeister wenn ihn keiner kennt und er vor leeren Rängen boxen muss?“ Beispiele aufzählen könnte er viele.

Er hat Recht, der Boxsport und seine Protagonisten leben von ihren Fans. Die Mehrzahl der Promoter misst ihren Erfolg ausschließlich an den Titeln, die ihre Kämpfer gewinnen. Der Effekt: Fights in leeren Hallen. Deshalb will Rüdiger nicht nur gute Profiboxer aufbauen, sondern ihnen auch eine Fanbase verschaffen. Und die ist dort, wo sie verwurzelt sind, wo ihr zuhause ist. Anfangs wird Rüdiger May „über die Dörfer“ ziehen müssen, und mit seinen Athleten an Kleinring-Veranstaltungen teilnehmen. Auch wenn es hier nicht viel zu gewinnen gibt, der Fankontakt ist intensiv.

Winfried Spiering der Chef des Berliner Wiking Teams geht ähnliche Wege. Mit seinem „Gym-Boxing“, einer in England sehr erfolgreichen Form von Kleinring-Veranstaltungen, bringt er viele Athleten dem Berliner Publikum näher.

Was läge näher auf der Hand, als wenn Rüdiger und Winne Spiering einmal über eine Zusammenarbeit reden würden? Gemeinsame Veranstaltungen wären nicht nur eine Bereicherung für den Boxkalender. Die Fans, nicht nur in Berlin, Düsseldorf und Köln würden es ihnen danken.

Yaser Yüksel, Oualid Almajdoub, Boris Deidenbach, Rene Oeffner und Timo Rost sind diejenigen, die Rüdiger zu „Athleten mit rhein‘scher Fankultur aufbauen möchte. Sie sollen die Herzen der Kölner erobern. Die Ausnahme ist Timo Rost. Der Düsseldorfer ist mit allen Genen ausgestattet, die einen Sohn der Landeshauptstadt NRWs ausmachen. Nicht nur in seiner sportlichen Entwicklung ist er am weitesten. Bis zu 400 Düsseldorfer reisen zu seinen Boxevents, um ihn anzufeuern.

Am 8. September planen Rüdiger und Timo beim Fritz Sdunek Memorial in Zinnowitz anzutreten. Mit dem Event möchte Spiering seinen viel zu früh verstorbenen Freund und Traineridol ehren. Am 27. Oktober würde es dann für die Beiden in Düsseldorf weitergehen.

MayBoxing ist ein Projekt und alle Projekte haben einen Anfang und ein Ende. Für Rüdiger als Projektleiter heißt dies erst einmal zu investieren. Für die Ausbildung seiner Jungprofis verlangt er kein Trainerhonorar. Das Gym stellt er ebenfalls kostenfrei zur Verfügung. Als Gegenleistung fordert er von ihnen nicht weniger als den deutschen Meistertitel des Bunds Deutscher Berufsboxer. Dass sie das in ihren Fäusten haben, dessen ist sich Rüdiger sicher.

Translator:
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